27. März 2013

Carl Orff-Preis 2013 für Heiner Goebbels, Lemi Ponifasio und Peter Rundel

Mit dem Carl Orff-Preis 2013 ist die spektakuläre Prometheus-Inszenierung von der Ruhrtriennale im vergangenen Jahr ausgezeichnet worden. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis geht an Intendant Professor Heiner Goebbels, an Regisseur Lemi Ponifasio und Dirigent Peter Rundel. Dem Trio wird für zweieinhalb Stunden antikes Deklamationstheater von Aischylos (auf Altgriechisch, ohne Übertitelung) „herausragende Leistung“ in der Duisburger Kraftzentrale attestiert. Der Carl Orff-Preis gilt in der Fachwelt als hochkarätige Auszeichnung, seine Verleihung wird im Zwei-Jahres-Rhythmus mit Spannung erwartet.




Carl Orffs Musikdrama „Prometheus“ wurde 1968 uraufgeführt. Es gilt als eines der ungewöhnlichsten Werke des 20. Jahrhunderts, weil es in altgriechischer Sprache geschaffen wurde und deshalb an Künstler, Sänger ebenso wie Musiker und Tänzer die höchsten Anforderungen stellt. Heiner Goebbels schuf mit Lemi Ponifasio und Peter Rundel eine Inszenierung, die für unvergessliche Eindrücke gelobt wurde. Die Carl Orff-Stiftung würdigt die drei zeitgenössischen Gestalter für Mut und künstlerische Kraft, womit sie das wohl schwierigste Werk Carl Orffs gestaltet haben. 

Vorstand und Kuratorium der Carl Orff-Stiftung in Diessen am Ammersee beschlossen 2008, einen Preis zu verleihen, der an das künstlerische und pädagogische Schaffen Carl Orffs (1895 - 1982) erinnert. Der Preis ist nach dem Komponisten benannt und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich in überragender Weise um das künstlerische Werk und das musikpädagogische Schaffen des Komponisten bemühen. Der Carl Orff-Preis wird im zweijährigen Turnus verliehen und ist in der Regel mit 10.000 Euro dotiert. 

Der Preis verdeutlicht, dass Carl Orff nicht nur der Schöpfer der Carmina Burana ist, sondern zu den bedeutendsten Musikdramatikern des 20. Jahrhunderts zählt. Der Komponist ist auch mit dem seit Mitte der 1920-er Jahre entwickelten Orff-Schulwerk international bekannt geworden. Es dient der Erziehung des Menschen - vor allem des Kindes - zur Musik und regt zum eigenen künstlerischen Tun an. 

Der Carl Orff-Preis würdigt Persönlichkeiten, deren Beschäftigung mit dem Werk und Schaffen von Carl Orff außergewöhnliche Maßstäbe setzt und zeigt, wie aktuell Orff nach wie vor ist. Erstmals 2009 ging der Preis an den Altphilologen und Musikwissenschaftler Dr. Werner Thomas (1910 - 2011), dessen wissenschaftliches Wirken über mehr als fünf Jahrzehnte weitgehend Carl Orff gewidmet war, mit dem ihn übrigens auch eine enge Freundschaft verband. 

2012 ging der Preis an den Musiktheater-Regisseur John Dew für seine Auseinandersetzung mit den Musikdramen Carl Orffs. John Dew inszenierte während in seiner Intendanz am Staatstheater Darmstadt die Griechendramen „Antigonae“ und „Oedipus der Tyrann“. Außerdem setzte er sich mit den Märchenstücken „Die Kluge“ und „Der Mond“ auseinander. Seine Inszenierung von „Gisei“, die zugleich die Uraufführung dieses Jugendwerkes von Carl Orff war, legte den Blick frei auf die Ursprünge von Orffs kompositorischem Schaffen und schlug den Bogen zum letzten Bühnenwerk „De temporum fine comoedia“. Kaum ein anderer Regisseur hat sich in dieser künstlerischen Bandbreite und Qualität in den zurückliegenden Jahren Carl Orff gewidmet. Text: Ute Hermann, Beate Bentele.